In Memoriam

Man könnte sagen, dass ich damals bei meinem Uropa aufgewachsen bin.
Er wohnte bei uns im Haus und hatte ein eigenes Zimmer. Meine Eltern arbeiteten in der nächstgrößeren Stadt, hatten einen langen Anfahrtsweg und unregelmäßige Arbeitszeiten, teilweise mit Schichtdienst.
Wenn ich morgens in den Kindergarten oder später in die Schule musste, waren sie oftmals bereits aus dem Haus und so achtete mein Opa darauf, dass ich rechtzeitig aufwachte, etwas frühstückte, alles einpackte und zeitig zur Schule aufbrach. Manchmal begleitete er mich sogar, gerade als ich noch sehr klein war.

Trotz seines Alters und seines schweren Schicksalsschlägen, war er ein agiler, rüstiger Mann geblieben. Er war nicht allzu groß, hatte weißes, schütteres Haar und war der liebevollste Mensch, den ich mir vorstellen konnte.
Von der Schule holte er mich meistens mit dem Fahrrad ab und ließ mich auf dem Gepäcktrager mitfahren. Daheim aßen wir eine Kleinigkeit und dann half er mir bei den Hausaufgaben oder spielte mit mir.
Er war sich für nichts zu schade, spielte mit Puppen, ließ sich zeitweise auch mal ärgern und erfüllte mir viele kleine Wünsche.

Selten erzählte er von sich. Von seiner schweren Jugend, seiner langen Armeezeit im Zweiten Weltkrieg, dem Verlust von 4 Brüdern in ebendiesem, der jahrelangen Gefangenschaft in Sibirien und dem Verlust seiner großen Liebe, mit der er nie wirklich hatte zusammen sein dürfen.
Ich fand es bewundernswert, dass er trotz dieser traurigen Erlebnisse, solch ein lebhafter und liebevoller Mensch geblieben ist und ich war ihm dankbar dafür.

Ich habe sehr viele Erinnerungen an ihn und unsere gemeinsamen Erlebnisse:
  • Wie wir zusammen einkaufen gingen und er sich meistens eine Dose Bier, Schokolade, Brot und geräucherten Fisch kaufte und für mich oft noch ein Überraschungsei oder mal eine Zeitschrift;
  • wie er mir stundenlang beim musizieren zuhörte und mich immer wieder aufbaute, wenns mal nicht so gut lief;
  • wie er mir Fahrrad fahren und Rollschuh laufen beibrachte;
  • wie ich auf dem Nachhauseweg mal mit dem Fuß in die Speichen seines Rades geriet und mir denselben brach;
  • wie er sich mit dem ungeliebten Nachbarn wegen irgendeiner Kleinigkeit zu prügeln begann und den Streit mit einem Veilchen verließ
  • und wie er mich vom Nikolaus zu überzeugen versuchte, indem er klingelte, weglief und sich anschließend wieder ins Haus schlich!^^
Eigentlich sind es noch viel mehr Gedanken, aber alle aufzuschreiben, würde hier den Rahmen sprengen.

Irgendwann fiel mein Opa beim Rasenmähen einfach um und stand nicht mehr auf. Da war ich um die 10 Jahre alt. Für mich brach eine Welt zusammen und ich konnte und wollte es einfach nicht verstehen. Meine Mama sagte damals zu mir: "dein ganzes Leben lang, hat der Opa dich geliebt und auf dich aufgepasst! Hab keine Angst, auch jetzt wird er einen Weg finden, wie er als Schutzengel über dich wachen kann. Er wird immer bei dir sein."
Und so kitschig es klingt, ich glaube daran. Manchmal, wenn ich Angst habe, glaube ich sogar, seine Nähe spüren zu können. Dann entspanne ich mich etwas und flüstere ganz leise: "Danke Opa, ich hab dich auch lieb!"

In diesem Monat wäre mein Uropa B.B. 93 Jahre alt geworden!

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